German Protect-Sicherheitsanalyse: Weihnachtsmarkt Trier 2025
Vor-Ort-Begutachtung durch das German Protect-Team
Der Weihnachtsmarkt Trier gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz. Die historische Altstadt, festliche Beleuchtung und dichter Besucherstrom vermitteln eine besondere Adventsstimmung. Doch gerade dort, wo Tausende Menschen zeitgleich auf engem Raum unterwegs sind, trägt die Stadt eine erhebliche Verantwortung für deren Schutz.
German Protect war vor Ort, um die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Hauptmarkt, den Domfreihof sowie die Verbindungswege in der Innenstadt zu analysieren. Im Zuge dieser Vor-Ort-Begehung traten deutliche Schwachstellen zutage - darunter Bereiche, in denen mangelnde Sicherheit bereits zu tragischen Ereignissen geführt hat.
1. Defekter hydraulischer Poller am Haupteingang - die erste signifikante Sicherheitslücke
Unser Rundgang begann an einer Zufahrtsstraße, die unmittelbar in die Fußgängerzone führt. Dort befindet sich ein hydraulischer Poller, der Fahrzeuge zuverlässig abhalten soll.
Doch bereits hier zeigte sich ein gravierendes Problem:
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Der hydraulische Poller war außer Betrieb.
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Laut Anwohnern seit mehreren Tagen.
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Es gab keine Ersatzmaßnahme, keine provisorische Absperrung, keine Kontrolle.
„Der geht seit Tagen nicht mehr hoch.“
Diese Störung trat zudem an einem Samstagabend gegen 19 Uhr auf, zur Hauptlaufzeit der Besucherströme. Ein ungesicherter Fahrzeugzugang stellt unter diesen Bedingungen ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar.
2. Poller vorhanden - aber keinerlei Evakuierungs- oder Notfallhinweise
Während die direkten Zugänge an Hauptmarkt und Domfreihof tatsächlich solide mit Pollern gesichert sind, zeigt sich bei der Notfallkommunikation eine vollständige Leerstelle.
Auf dem gesamten Weihnachtsmarktareal fehlen:
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Evakuierungs- oder Fluchthinweise,
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optische oder akustische Signaltürme,
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Markierungen für Rettungswege oder Sammelpunkte,
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analoge Informationsschilder,
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und jeglicher Hinweis auf digitale Warnsysteme wie die KATWarn-App
Es gibt auf dem gesamten Weihnachtsmarkt weder digitale noch analoge Warnhinweise. In dicht besuchten Altstadtbereichen ist dies sicherheitstechnisch nicht vertretbar.
3. Vollständig fehlende Videoüberwachung – keine einzige Überwachungskamera gesichtet
Ein entscheidender Bestandteil moderner Veranstaltungssicherheit fehlt in Trier vollständig: Auf dem gesamten Weihnachtsmarktareal, einschließlich Hauptmarkt und Domfreihof, wurde keine einzige Überwachungskamera gesichtet.
Es gibt:
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keine fest installierten Systeme,
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keine schwenkbaren PTZ Kameras,
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keine mobilen Einheiten,
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keine temporären Installationen.
Dies hat schwerwiegende Folgen:
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Keine Rekonstruktion eines möglichen Tathergangs. Ohne Videoaufzeichnungen fehlt jede Möglichkeit, Vorfälle zu analysieren oder strafrechtlich aufzuarbeiten.
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Keine präventive Überwachung renitenter Besucher. Auf Weihnachtsmärkten kommt es erfahrungsgemäß zu alkoholbedingten Auseinandersetzungen. Videoüberwachung dient hier der frühzeitigen Erkennung - in Trier unmöglich.
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Keine Unterstützung für Polizei und Rettungskräfte
Ohne optisches Lagebild können:
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Menschenströme nicht überwacht,
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Engstellen nicht erkannt,
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Gefahrensituationen nicht schnell bewertet werden.
Die fehlende Videoüberwachung stellt somit ein grundlegendes Sicherheitsdefizit dar.
4. Keine Sicherheitskräfte: Kaum Polizei und keine Rettungskräfte sichtbar
Während unserer gesamten Begehung stellte German Protect fest:
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kein Sicherheitsdienst vor Ort,
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keine städtische Ordnungsdienstpräsenz,
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kaum sichtbare Polizeikräfte,
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keine Rettungsfahrzeuge oder medizinische Anlaufpunkte.
Für eine Veranstaltung dieser Größe ist dies sicherheitstechnisch bedenklich. Besucher konnten nicht erkennen, wohin sie sich im Notfall wenden sollen.
5. Der Weg zur Porta Nigra - der kritischste Abschnitt der gesamten Sicherheitsanalyse
Beim Weitergehen in Richtung Porta Nigra, wie Sie in unserem Video sehen können, offenbart sich der gefährlichste Abschnitt der gesamten Untersuchung. Diese rund 150 bis 200 Meter lange Strecke entspricht exakt der Route, die der Amokfahrer im Jahr 2020 nutzte.
Trotz dieser Vorgeschichte fanden wir keinerlei Absicherungen.
German Protect stellte fest:
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keine Poller,
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keine baulichen Barrieren oder sonstige Sicherheitstechnik
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keine Videoüberwachung,
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keine Notfallkommunikation,
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kein Sicherheitsdienst,
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keine Polizei,
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keine Rettungskräfte oder Rettungsfahrzeuge,
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keine sanitätsdienstliche Infrastruktur,
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keinerlei sichtbare Einsatzbereitschaft.
Dieser Abschnitt ist somit vollständig ungesichert, unüberwacht und infrastrukturell ohne jede Schutzfunktion – trotz seiner tragischen historischen Bedeutung.
6. Gedenkplatz vorhanden - sicherheitstechnische Konsequenzen fehlen
An der Porta Nigra befindet sich ein großer Gedenkplatz, der an die Opfer der Amokfahrt erinnert. Auch dieses Jahr wurde dort eine offizielle Gedenkveranstaltung abgehalten. Doch trotz all der Worte und des Andenkens wurde die zentrale Gefahrenachse nicht gesichert.
Wie kann man öffentlich mahnen und erinnern, aber gleichzeitig genau den Bereich ungeschützt lassen, an dem die Tragödie begann?
7. Teilweise gute Absicherungen - aber kein funktionierendes Gesamtkonzept
Die Absicherungen direkt am Hauptmarkt und Domfreihof sind grundsätzlich gelungen. Doch Sicherheit benötigt ein durchgängiges, strategisches Gesamtkonzept und genau dieses fehlt.
Die größten Defizite:
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hydraulischer Poller außer Betrieb
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keinerlei Videoüberwachung
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keine Sicherheits- oder Rettungskräfte
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keine Warn- oder Evakuierungssysteme
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ungesicherte Porta-Nigra-Strecke
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fehlende Notfallkommunikation
Damit bleibt der Weihnachtsmarkt Trier sicherheitstechnisch unzureichend geschützt.
8. Fazit von German Protect: Trier hat ein strukturelles Sicherheitsproblem
Unsere Sicherheitsanalyse zeigt klar:
❌ Sicherheitskonzept nicht durchgängig
❌ hydraulischer Poller außer Betrieb
❌ weder digitale noch analoge Warnsysteme
❌ keine einzige Überwachungskamera auf dem gesamten Areal
❌ keinerlei sichtbarer Sicherheitsdienst
❌ kaum Polizei oder Rettungskräfte
❌ neuralgischer Gefahrenkorridor ungesichert
German Protect empfiehlt dringend:
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sofortige Instandsetzung sicherheitsrelevanter Technik
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flächendeckende Videoüberwachung
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Installation von Warn- und Evakuierungssystemen (inkl. Hinweis auf ChatWarn)
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deutliche Erhöhung personeller Sicherheitspräsenz
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bauliche Absicherung der Porta-Nigra-Strecke
9. Ausblick: Luxemburg zeigt, wie moderne Sicherheit funktioniert
Im Anschluss analysieren wir Luxemburg - ein Weihnachtsmarkt, der zeigt, wie technisch und organisatorisch durchdachte Sicherheitsplanung heute aussehen kann.

