Herzlich willkommen auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt. Ursprünglich war unser Besuch lediglich für eine kurze visuelle Dokumentation vorgesehen. Im Rahmen einer ausführlicheren Begehung und der Betrachtung der vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen ergaben sich jedoch mehrere Beobachtungen, die aus sicherheitstechnischer Sicht eine vertiefte Einordnung nahelegen.
Bei stark frequentierten Veranstaltungen wie dem Mannheimer Weihnachtsmarkt ist es von Bedeutung, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht nur sichtbar vorhanden sind, sondern auch in ihrer Gesamtheit schlüssig geplant, aufeinander abgestimmt und für den jeweiligen Anwendungsfall geeignet sind. Die nachfolgenden Punkte beschreiben ausschließlich vor Ort wahrnehmbare Gegebenheiten sowie eine darauf basierende fachliche Einordnung.
1. Fahrzeugstopper: Hochwertiges Produkt – anwendungsabhängige Wirksamkeit
Beim Rundgang fallen die eingesetzten Fahrzeugstopper unmittelbar auf. Zum Einsatz kommen Fahrzeugstopper des Typs Armis Go.
Dabei ist ausdrücklich festzuhalten, dass es sich bei Armis Go um ein hochwertiges und zuverlässiges Produkt handelt, das für unterschiedliche Szenarien der temporären Zufahrtssicherung konzipiert ist und in vielen Anwendungsfällen, insbesondere bei Veranstaltungen oder als ergänzende Schutzmaßnahme, sinnvoll eingesetzt werden kann.
Wie bei allen sicherheitstechnischen Systemen ist jedoch entscheidend, dass sie im jeweils passenden Anwendungsbereich eingesetzt werden. Die tatsächliche Schutzwirkung hängt nicht allein vom Produkt selbst ab, sondern unter anderem von:
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der zugrunde gelegten Bedrohungsannahme
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der Art und Größe der Veranstaltung
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der Bodenbeschaffenheit
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der Art der Fixierung
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sowie der Positionierung in Bezug auf mögliche Anfahrtsrichtungen
Vor Ort war mindestens ein Poller sichtbar schräg auf einem unebenen Untergrund positioniert. Nach dem Eindruck aus der Videoaufnahme ließ sich dieser Poller mit geringem Kraftaufwand bewegen, was aus technischer Sicht auf eine möglicherweise nicht ausreichende Fixierung hindeuten kann. Zusätzlich waren drei weitere Poller auf unbefestigtem Erdreich positioniert und nicht auf einem festen, tragfähigen Bodenuntergrund installiert.
Aus technischer Sicht ist dies relevant, da ein nicht befestigter Untergrund bei einem Anprall andere kinetische Rahmenbedingungen aufweist als ein fester Bodenaufbau. Die beim Aufprall entstehenden Kräfte können in solchen Fällen weniger kontrolliert aufgenommen und in den Untergrund abgeleitet werden, was die tatsächliche Schutzwirkung beeinflussen kann.
Laut öffentlich verfügbaren Testdaten zum Produkt Armis Go, wie sie vom Anbieter veröffentlicht werden, können schwere Fahrzeuge bei entsprechenden Geschwindigkeiten erhebliche Eindringtiefen erreichen. Den veröffentlichten Angaben zufolge kann ein LKW mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 7,5 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von etwa 48 km/h eine Eindringtiefe von mindestens zwölf Metern erreichen.
Bezieht man diese veröffentlichten Produktdaten auf die konkrete Positionierung der Fahrzeugstopper am Mannheimer Weihnachtsmarkt, lässt sich aus planerischer Sicht nicht ausschließen, dass ein solches Szenario nicht nur den angrenzenden Gehwegbereich betreffen würde. Vielmehr könnte ein Fahrzeug über den Gehwegbereich hinaus in den eigentlichen Marktbereich eindringen, also in den Bereich, in dem sich Besucher aufhalten. Diese Einordnung stellt eine theoretische Betrachtung dar, die auf öffentlich zugänglichen Produktinformationen sowie der vor Ort wahrnehmbaren räumlichen Situation basiert. Sie ist ausdrücklich keine Prognose eines konkreten Ereignisses und keine Bewertung von Verantwortlichkeiten.
2) Untergrund und Platzierung: Relevante physikalische Rahmenbedingungen
Mehrere Poller stehen teilweise auf unbefestigtem Erdreich. Aus technischer Sicht ist dies relevant, da die bei einem Anprall entstehenden Kräfte nur dann zuverlässig aufgenommen werden können, wenn sie in einen geeigneten, tragfähigen Untergrund abgeleitet werden.
Hinzu kommt die Platzierung an teils sehr schmalen Gehwegen mit einer Breite von unter zwei Metern. Diese Bereiche werden stark von Familien, älteren Menschen und Personen mit Kinderwagen genutzt und gelten in der Sicherheitsplanung als besonders schutzbedürftig.
3) Dauerhafte Alternativen: Hochsicherheitssysteme
Aus fachlicher Perspektive können hydraulische, versenkbare Hochsicherheitspoller eine langfristig tragfähige Alternative darstellen. Diese Sicherheitssysteme sind mit höheren Investitionskosten verbunden, bieten jedoch definierte Widerstandswerte, dauerhafte Nutzbarkeit sowie kontrollierte Zufahrtsmöglichkeiten für Einsatz- und Lieferfahrzeuge.
4) Poller in Fahrbahnnähe: Verkehrliche Aspekte
Mehrere Poller befinden sich in geringer Distanz zur Fahrbahn. Insbesondere bei Dunkelheit, hohem Verkehrsaufkommen und saisonbedingter Ablenkung kann dies das Risiko unbeabsichtigter Kollisionen erhöhen, was wiederum Auswirkungen auf Personenströme oder Rettungswege haben kann.
5) Teilweise Absicherung: Nicht durchgängige Umsetzung
An einer Stirnseite des Marktes sind Poller vorhanden, wenige Meter weiter endet die bauliche Absicherung jedoch. Über eine Länge von etwa 25 Metern ist ein Bereich, in dem sich regelmäßig eine größere Menschenansammlung aufhält, nicht durch bauliche Zufahrtssicherungen abgesichert.
Die angrenzende Straße ist vierspurig und stark befahren. In vergleichbaren Situationen wird regelmäßig geprüft, ob bauliche Ergänzungen oder zusätzliche organisatorische Maßnahmen, etwa durch Präsenz von Sicherheitsdiensten oder Ordnungsbehörden, geeignet sind, um potenzielle Risiken weiter zu reduzieren.
6) Kinderbereiche im potenziellen Anfahrtsbereich
Seitlich des Wasserturms befindet sich eine rund 50–60 Meter lange Freifläche, über die ein Fahrzeug theoretisch in Richtung Markt fahren könnte. In dieser gedachten Linie befindet sich ein Kinderkarussell.
Kinderbereiche gelten als besonders schutzbedürftig. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, solche Bereiche zusätzlich organisatorisch abzusichern, etwa durch permanente Präsenz eines Sicherheitsdienstes oder durch regelmäßige Streifen seitens der Stadtverwaltung oder Polizei.
7) Parkhauszufahrt und -ausfahrt: Sensibler Übergangsbereich
Unterhalb des Wasserturms befindet sich ein Parkhaus mit direkter Anbindung an den Marktbereich. An Ein- und Ausfahrt fehlen bauliche oder optische Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung.
Vor diesem Hintergrund erscheint es grundsätzlich sinnvoll, diesen Bereich organisatorisch zusätzlich abzusichern, etwa durch einen permanent anwesenden Sicherheitsdienst oder durch entsprechende Präsenz seitens der Stadtverwaltung oder der Polizei.
8) Haupteingang: Mobile Fahrzeuggates mit zentraler Einsatzfunktion
Am Haupteingang des Mannheimer Weihnachtsmarktes ist eine mobile Durchfahrtssperre mit Fahrzeugzugang installiert. Solche Sicherheitssysteme sind von großer Bedeutung, da sie im Ereignisfall Polizei, Rettungsdiensten und der Feuerwehr einen schnellen und möglichst unkomplizierten Zugang zum Veranstaltungsbereich ermöglichen sollen.
Aus unserer Sicht erscheint es bei der Größe des Mannheimer Weihnachtsmarktes sinnvoll, mindestens zwei solcher mobilen Fahrzeuggates vorzusehen, um Redundanzen zu schaffen und Einsatzkräften insbesondere zu Stoßzeiten einen flexibleren Zugang zu ermöglichen.
9) Evakuierung: Technisch vorhanden, jedoch ergänzungsbedürftig
Vorhanden sind Lautsprecher sowie visuelle Alarmgeber, die nach dem vor Ort wahrnehmbaren Eindruck insbesondere im Bereich des Wasserturms rundum installiert sind. Diese flächendeckende technische Ausstattung stellt grundsätzlich eine wichtige Grundlage für die Alarmierung und Informationsweitergabe im Ereignisfall dar.
Gerade aufgrund dieser vorhandenen Infrastruktur erscheint es umso wichtiger, die Evakuierung zusätzlich durch klar sichtbare visuelle Orientierungshilfen zu unterstützen, die Besuchern eindeutig zeigen, in welche Richtung der Weihnachtsmarkt im Notfall zu verlassen ist. Ergänzend erscheint es aus unserer Sicht sinnvoll, die Evakuierungsbereiche technisch zu unterstützen, etwa durch Evakuierungstürme an den jeweiligen Ausgängen. Diese könnten die jeweilige Evakuierungsrichtung gut sichtbar darstellen und so zur Orientierung der Besucher beitragen.
Darüber hinaus könnte vorgesehen werden, die Evakuierungstürme mit Videoüberwachung auszustatten, wobei pro Evakuierungsturm mindestens eine Überwachungskamera eingesetzt wird. Eine solche technische Ergänzung kann dazu beitragen, der Einsatzleitstelle eine bessere Lageeinschätzung zu ermöglichen sowie Abläufe und Geschehnisse im Nachgang nachvollziehbar zu dokumentieren. Nach dem vor Ort gewonnenen Eindruck war auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt keine sichtbare Videoüberwachung erkennbar. Diese Feststellung stellt keine Bewertung dar, sondern beschreibt den wahrnehmbaren Zustand.
10) Sensibler Sicherheitsbereich: Zufahrt aus der Mannheimer Fußgängerzone
Betrachtet wurde auch der Bereich an der Stirnseite des Mannheimer Weihnachtsmarktes, der in Richtung der Mannheimer Fußgängerzone führt. Dieser Bereich ist insofern besonders sensibel, als es dort in der Vergangenheit einen öffentlich bekannt gewordenen Vorfall gegeben hat, bei dem ein Fahrzeug durch die Fußgängerzone gefahren ist. Unabhängig von der Bewertung dieses Ereignisses unterstreicht ein solcher Vorfall aus sicherheitstechnischer Sicht die Bedeutung einer besonders sorgfältigen Betrachtung von Zufahrten und Übergängen zwischen Fußgängerzonen und stark frequentierten Veranstaltungsflächen.
Nach dem vor Ort wahrnehmbaren baulichen Zustand ist die Straße bzw. Fußgängerzone, die direkt auf den Mannheimer Weihnachtsmarkt zuführt, derzeit nicht durch bauliche Zufahrtssicherungen abgesichert. Aus fachlicher Sicht würden sich in solchen Bereichen grundsätzlich mobile Fahrzeugsperren als Sicherheitssysteme anbieten, um unberechtigte oder unkontrollierte Zufahrten zu verhindern. Aufgrund der örtlichen Besonderheiten, insbesondere der durch die Fußgängerzone verlaufenden Straßenbahn, erscheinen mobile Fahrzeugsperren als Sicherheitssysteme an dieser Stelle jedoch nur eingeschränkt praktikabel.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, alternative Sicherheitssysteme zu betrachten. Aus unserer Sicht könnte hier eine Investition in hydraulische, versenkbare Poller eine geeignete und nachhaltige Sicherheitslösung darstellen. Solche Sicherheitssysteme ermöglichen im Regelbetrieb eine freie Nutzung der Fußgängerzone, können bei Bedarf gezielt aktiviert werden und stellen zugleich eine langfristige Investition dar, die nicht nur den Weihnachtsmarkt, sondern die gesamte Mannheimer Fußgängerzone dauerhaft und zukunftsorientiert schützen kann.
Diese Einschätzung stellt eine fachliche Empfehlung dar und keine Bewertung bestehender Sicherheitskonzepte oder Zuständigkeiten.
11. German Protect Fazit
Der Mannheimer Weihnachtsmarkt verfügt über sichtbare Sicherheitsmaßnahmen. In der Gesamtschau entsteht jedoch der Eindruck, dass diese Maßnahmen nicht in allen Bereichen durchgängig, ganzheitlich und aufeinander abgestimmt sind.
Gerade bei großflächigen Veranstaltungen mit hoher Besucherzahl erscheint es aus fachlicher Sicht unerlässlich, dass Sicherheitskonzepte durch entsprechend qualifizierte Experten geplant, bewertet und regelmäßig überprüft werden. Dazu gehört neben einer reinen Bestandsaufnahme auch eine strukturierte Sicherheitsanalyse, die durch eine potenzielle Gefahren- und Risikobewertung ergänzt wird. Aus unserer Sicht ist es zudem sinnvoll, unabhängige Fachfirmen aus dem Bereich der Sicherheitstechnik in solche Planungen einzubeziehen. Deren Erfahrung kann dazu beitragen, technische, organisatorische und bauliche Maßnahmen realistisch zu bewerten, mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und effiziente Lösungsansätze zu entwickeln.
Insbesondere das Einholen von Zweitmeinungen kann bei komplexen Sicherheitslagen einen entscheidenden Mehrwert bieten, um bestehende Konzepte zu hinterfragen, zu ergänzen und langfristig belastbar aufzustellen. Diese Einordnung stellt keine Bewertung einzelner Verantwortlichkeiten dar, sondern beschreibt allgemein anerkannte Vorgehensweisen bei der Planung und Umsetzung sicherheitsrelevanter Großveranstaltungen.
Hinweis zu diesem Bericht:
Dieser Beitrag stellt eine sachliche, beobachtende Einordnung dar.
Die Inhalte basieren auf vor Ort wahrnehmbaren Gegebenheiten sowie einer sicherheitsanalytischen, perspektivischen Betrachtung aus unserer Sicht als German Protect.
Als deutsches Unternehmen im Bereich der Sicherheitstechnik für kritische Infrastrukturen sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, sicherheitsrelevante Themen nicht nur gegenüber Behörden und Auftraggebern,
sondern auch transparent und verständlich für die Öffentlichkeit und die Bürgerinnen und Bürger einzuordnen.
Die dargestellten Einschätzungen erfolgen freiwillig und ohne Auftrag.
Hintergrund ist, dass uns bereits im vergangenen Jahr bei verschiedenen Weihnachtsmärkten wiederkehrende sicherheitsrelevante Schwachstellen aufgefallen sind.
Dabei entstand aus unserer fachlichen Sicht der Eindruck, dass zwar finanzielle Mittel und Budgets seitens Städte und Kommunen grundsätzlich vorhanden sind, diese jedoch
nicht in allen Fällen nachhaltig, ganzheitlich oder zukunftsorientiert in Sicherheitsmaßnahmen investiert wurden.
Ziel dieser Sicherheitsnalyse ist es ausdrücklich nicht, Verantwortlichkeiten zuzuweisen oder bestehende Konzepte pauschal zu bewerten. Vielmehr soll die Darstellung dazu beitragen, sicherheitsrelevante Aspekte sichtbar zu machen, fachliche Diskussionen anzuregen und aufzuzeigen, wo aus unserer Perspektive Optimierungspotenzial bestehen könnte.
Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzen keine behördliche oder gutachterliche Sicherheitsbewertung. Sie verstehen sich als fachlicher Impuls im Sinne einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Thema Veranstaltungssicherheit.
Transparenz- und Ethik-Erklärung
Die Veröffentlichung dieser Sicherheitsanalyse erfolgt freiwillig, unabhängig und ohne Auftrag. Sie dient ausschließlich der sachlichen Information und der Einordnung sicherheitsrelevanter Beobachtungen im öffentlichen Raum.
German Protect ist ein deutsches Unternehmen im Bereich Sicherheitstechnik für kritische Infrastrukturen. Aus dieser fachlichen Ausrichtung heraus sehen wir es als Teil unserer unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortung, sicherheitsrelevante Themen transparent, verständlich und nachvollziehbar darzustellen, nicht nur für Behörden und Entscheidungsträger, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger, die solche Veranstaltungen besuchen. Unsere Sicherheitsanalysen verfolgen keine kommerziellen Interessen und stehen in keinem Zusammenhang mit konkreten Angebots- oder Vergabeprozessen. Ziel ist es nicht, bestehende Sicherheitskonzepte pauschal zu kritisieren oder Verantwortlichkeiten zuzuschreiben, sondern Perspektiven aus der sicherheitstechnischen Praxis aufzuzeigen und fachliche Diskussionen anzuregen.
Hintergrund dieser Veröffentlichung ist die Beobachtung, dass bei öffentlichen Veranstaltungen, trotz grundsätzlich vorhandener finanzieller Mittel, Sicherheitsmaßnahmen nicht immer nachhaltig, ganzheitlich oder zukunftsorientiert umgesetzt werden. Diese Einschätzung basiert auf Erfahrungen aus mehreren Veranstaltungen und stellt eine fachliche Wahrnehmung, keine pauschale Bewertung dar. Wir sind der Auffassung, dass Transparenz, fachlicher Austausch und das Einholen unterschiedlicher Perspektiven wesentliche Bestandteile moderner Sicherheitsplanung sind. Mit dieser Analyse möchten wir einen konstruktiven Beitrag leisten und zur Sensibilisierung für sicherheitsrelevante Fragestellungen im öffentlichen Raum beitragen.

