Karlsruhe ist eine Stadt mit besonderer sicherheitsrelevanter Bedeutung. In unmittelbarer Nähe befinden sich unter anderem der Bundesgerichtshof, die Bundesanwaltschaft sowie das Bundesverfassungsgericht. Bei öffentlichen Veranstaltungen mit hohem Besucheraufkommen, wie Weihnachtsmärkten, ist daher von einem erhöhten Schutzbedarf auszugehen.

Im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung wurden die drei Weihnachtsmärkte in Karlsruhe hinsichtlich ihrer sicherheitstechnischen Ausgestaltung betrachtet. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede im Sicherheitsniveau sowie mehrere sicherheitsrelevante Auffälligkeiten.

 

 

1. Kinderweihnachtsmarkt: sicherheitstechnische Bewertung

Bereits beim Betreten des Kinderweihnachtsmarktes fällt auf, dass der Marktbereich nicht durchgehend gegen unbefugten Fahrzeugverkehr gesichert ist. Der Zugang ist stellenweise ungehindert befahrbar, ohne dass wirksame physische Fahrzeugrückhaltesysteme erkennbar sind.

Im Eingangsbereich befinden sich Blumenkübel, die offenbar als Absperrelemente dienen sollen. Diese sind jedoch nicht fest verankert und lassen sich mit geringem Kraftaufwand verschieben. Aus sicherheitstechnischer Sicht stellen sie keine geeignete Maßnahme zur Fahrzeugabwehr dar.

Seitlich des Marktbereichs sind die Zugänge überwiegend durch Bauzäune mit Planenbespannung begrenzt. Diese verfügen über keine relevante Rückhalte- oder Verzögerungswirkung gegenüber Fahrzeugen. Zusätzlich befinden sich mehrere parkende Fahrzeuge unmittelbar angrenzend an den Marktbereich, was das Gefährdungspotenzial weiter erhöht.

An verschiedenen Stellen werden mobile Fahrzeugrückhalteelemente eingesetzt. Nach äußerem Erscheinungsbild handelt es sich dabei nicht um zertifizierte Betonfahrzeugsperren, sondern um mobile, mutmaßlich wassergefüllte Systeme. Deren tatsächliche Wirksamkeit zur Abwehr oder Verzögerung von Fahrzeugen - insbesondere bei höheren Fahrzeuggewichten ist kritisch zu bewerten.

Gegenüberliegende Weihnachtsmarktseite

Auf der gegenüberliegenden Seite des Kinderweihnachtsmarktes sind ebenfalls mobile Fahrzeugrückhaltesysteme installiert.
Unmittelbar daneben befindet sich jedoch ein offener Bereich ohne zusätzliche bauliche oder technische Sicherungsmaßnahmen. Eine durchgehende Fahrzeugbarriere ist an dieser Stelle nicht vorhanden.

In direkter Nähe dieses ungesicherten Bereichs befindet sich ein Kinderkarussell. Der Abstand zwischen der potenziell befahrbaren Fläche und dem Aufenthaltsbereich der Kinder beträgt lediglich wenige Meter.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie fest installierte Poller, bauliche Trennelemente oder klar definierte Sicherheitszonen, sind nicht erkennbar.

Aus sicherheitstechnischer Sicht ergibt sich hier ein erhöhtes Risiko, insbesondere unter Berücksichtigung der Zielgruppe des Kinderweihnachtsmarktes.

Darüber hinaus waren im gesamten Bereich des Kinderweihnachtsmarktes:

  • keine sichtbare Polizeipräsenz

  • kein eingesetzter Sicherheitsdienst

festzustellen.


Fehlende Videoüberwachung 

Im Rahmen der Vor-Ort-Begehung wurde festgestellt, dass auf keinem der drei Weihnachtsmärkte eine sichtbare Videoüberwachung vorhanden war. Es war nicht eine einzige Überwachungskamera im öffentlichen Veranstaltungsbereich erkennbar.

Die Videoüberwachung stellt bei Veranstaltungen mit hohem Besucheraufkommen ein zentrales sicherheitstechnisches Instrument dar. Der Einsatz mindestens einer Überwachungskamera dient insbesondere:

  • der frühzeitigen Erkennung sicherheitsrelevanter Situationen,

  • der laufenden Lagebeurteilung,

  • der Dokumentation und Nachvollziehbarkeit von Tatabläufen,

  • sowie der Identifizierung von Tatverdächtigen im Nachgang eines Ereignisses.

Insbesondere für die polizeiliche Einsatzführung, Gefahrenabwehr und nachträgliche Beweisführung ist eine funktionierende Videoüberwachung von erheblicher Bedeutung. Das vollständige Fehlen sichtbarer Videoüberwachung und einer erkennbaren Überwachungskamera ist vor dem Hintergrund der sicherheitsrelevanten Bedeutung der Stadt Karlsruhe auffällig und sollte aus sicherheitsfachlicher Sicht überprüft werden.


2. Weihnachtsmarkt in unmittelbarer Nähe des Bundesgerichtshofs

Der zweite Weihnachtsmarkt befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bundesgerichtshofs.
Auch hier kommen mobile Fahrzeugrückhaltesysteme zum Einsatz, deren tatsächliche Rückhaltewirkung kritisch zu bewerten ist.

Positiv hervorzuheben ist die deutlich wahrnehmbare Polizeipräsenz.
Polizeikräfte sind sichtbar vor Ort und tragen zur Stabilisierung der Sicherheitslage sowie zur präventiven Wirkung bei.

Die eingesetzten Absperrmaßnahmen ermöglichen gleichzeitig eine Durchfahrt für Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei im Einsatzfall.
Dieser Aspekt ist funktional und sachgerecht umgesetzt.


3. Hauptweihnachtsmarkt am Marktplatz

Der Hauptweihnachtsmarkt am Marktplatz weist im Vergleich das höchste Sicherheitsniveau auf. Ein wesentlicher Faktor ist die unmittelbare Nähe zu einem der größten Polizeireviere der Stadt.

Darüber hinaus kommen fest installierte Hochsicherheits-Metallpoller zum Einsatz, die eine wirksame und nachhaltige Maßnahme zur Fahrzeugabwehr darstellen.
Ergänzend sind weitere mobile Sperrelemente im Zugangsbereich installiert.

Innerhalb des Marktbereichs ist eine konsequente Polizeipräsenz festzustellen, auch in Richtung Schloss und Bundesverfassungsgericht.
Vereinzelt werden auch hier mobile, wassergefüllte Fahrzeugrückhalteelemente genutzt, deren begrenzte Wirksamkeit jedoch durch die Polizeipräsenz teilweise kompensiert wird.


4. Fußgängerzone

Die angrenzende Fußgängerzone ist durch mobile Fahrzeugsperren gegen unbefugte Durchfahrten gesichert.
Gleichzeitig bleibt die Zugänglichkeit für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge gewährleistet.

Die Polizei ist unmittelbar an den Sperrpunkten positioniert. Das Gesamtkonzept wirkt funktional, übersichtlich und einsatztauglich.


German Protect Gesamtfazit

Die sicherheitsfachliche Betrachtung der Weihnachtsmärkte in Karlsruhe zeigt ein uneinheitliches Schutzniveau.
Während der Hauptweihnachtsmarkt und die Fußgängerzone insgesamt gut abgesichert sind, bestehen insbesondere beim Kinderweihnachtsmarkt erhebliche sicherheitstechnische Defizite.

Zusätzlich ist das vollständige Fehlen sichtbarer Videoüberwachung sowie einer einzelnen Überwachungskamera auf allen Weihnachtsmärkten als kritischer Punkt zu bewerten.

Aus sicherheitstechnischer Sicht besteht insbesondere für den Kinderweihnachtsmarkt dringender Überprüfungs- und Nachbesserungsbedarf.

Ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau sollte unabhängig von Marktgröße oder Zielgruppe gewährleistet sein - insbesondere dort, wo sich Kinder aufhalten.

 


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Bogdan Tamasan

Bogdan Tamasan

Herr Bogdan Tamasan ist seit 1994 in der Sicherheitsbranche tätig und seit 2011 geschäftsführender Gesellschafter der ESA GmbH German Protect mit über 27-jähriger Erfahrung im Bereich Sicherheitstechnik, Schutz, Prävention, Planung und Projektentwicklung. In seiner Tätigkeit als Sicherheitsberater für verschiedene Konzerne und Institutionen europaweit, konnte sich Herr Tamasan in dieser langen Zeitspanne eine fundierte und praxisnahe Erfahrung und Wissen aneignen, welches von Jahr zu Jahr durch verschiedene System- und Partnerzertifizierungen vertieft wurde. Ein kleiner Auszug seiner Zertifizierungen: Axis Solutions Partner, IHK zertifizierte Fachkraft für Video-Sicherheitstechnik, Hikvision Sub-Distributor, Vivotek Expert, Hanwha Security Engineering, Mobotix Advanced Partner, Avigilon Partner, Sony Video Security Gold Partner, Flir Partner, Eneo System Integrator, Bosch Partner, Seetec Professional, Milestone Partner, Wave Professional, Aimetis Certifed, zertifizierter Telenot Facherrichter und Stützpunkt, Planung und Einbau von Einbruchmeldeanlagen nach VdS 2311 und VDE 0833, Q-Geprüfte Fachkraft für Rauchmelder gemäß DIN 14676, Videofied zertifizierter Partner, Risco Certified, Jablotron zertifizierter Partner, Ajax zertifizierter Partner, rayTec Professional SimonsVoss Partner usw.