IP-Schutzarten bei Überwachungskameras: IP66, IP67 und IP68 im Vergleich
Für unser Sicherheitsmagazin begleiten wir in der Testreihe „Überwachungskamera-Test“ regelmäßig professionelle Kameratests.
Diesmal erklären wir, was die IP Schutzklasse bei einer Überwachungskamera bedeutet und wie sie geprüft und zertifiziert wird.
Als zertifizierter Hikvision Partner waren wir direkt im Headquarter des Herstellers in Hangzhou, China, und konnten den Test einer Hikvision Kamera in der Bauform einer Dome Kamera vor Ort begleiten.
Unter kontrollierten Bedingungen wird die Überwachungskamera einer extremen Wasserbelastung ausgesetzt.
Wie widerstandsfähig muss eine professionelle IP Kamera sein, um eine IP68 Zertifizierung zu bekommen?
Welchen Belastungen wird eine Überwachungskamera bei einem solchen Test ausgesetzt?
Welche IP Schutzklasse ist für welche Anwendung in der Videoüberwachung sinnvoll?
Dabei geht es nicht nur darum, ob Wasser in das Kameragehäuse eindringt.
Auch Staubdichtigkeit, Dichtungen, Temperaturunterschiede und mögliche Kondensation spielen eine wichtige Rolle.
Was bedeutet die IP Schutzart bei einer Überwachungskamera?
Die Abkürzung IP steht für „Ingress Protection“. Die nachfolgenden Ziffern geben an, wie gut das Gehäuse einer IP Kamera gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser geschützt ist.
Bei IP66, IP67 und IP68 steht die erste Ziffer 6 für den Schutz gegen feste Fremdkörper.
Die Schutzstufe 6 ist die höchste Stufe dieser Klassifizierung und bedeutet, dass das Gehäuse staubdicht ist.
Staub soll nicht in das Gehäuse der Überwachungskamera eindringen und dort Elektronik, Mechanik oder optische Komponenten beeinträchtigen.
Gerade bei einer Außenkamera ist dieser Schutz wichtig. Staub, Sand, Schmutz und andere feine Partikel können je nach Montageort dauerhaft auf das Kameragehäuse einwirken.
Das betrifft beispielsweise Industrieanlagen, Baustellen, landwirtschaftliche Betriebe oder besonders trockene und staubige Regionen.
Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser. Hier unterscheiden sich IP66, IP67 und IP68 voneinander.
Für eine professionelle Videoüberwachung ist diese Unterscheidung wichtig. Nicht jede Überwachungskamera benötigt automatisch die höchstmögliche Schutzart.
Entscheidend sind der Montageort und die dort tatsächlich auftretenden Umgebungsbedingungen.
Wichtig: Eine höhere IP Kennziffer für den Wasserschutz bedeutet nicht automatisch, dass jede Prüfung einer niedrigeren Schutzstufe eingeschlossen ist.
Strahlwasser und Untertauchen stellen unterschiedliche Belastungen dar und müssen entsprechend der vorgesehenen Klassifizierung betrachtet werden.
IP66 - staubdicht und Schutz gegen starkes Strahlwasser
Eine Überwachungskamera mit IP66 ist vollständig staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt.
Die erste Ziffer 6 steht dabei für den höchsten Schutzgrad gegen das Eindringen von Staub. Die zweite Ziffer 6 definiert den Schutz gegen Wasser.
Für welche Videoüberwachungsanwendungen eignet sich eine IP66 zertifizierte Überwachungskamera?
IP66 eignet sich für die meisten Außeninstallationen einer Videoüberwachung.
Eine entsprechend konstruierte Außenkamera kann auch ungeschützt an Fassaden, Masten oder anderen Außenbereichen montiert werden und ist für typische Belastungen durch Regen, Staub und Witterung ausgelegt.
Eine IP66 zertifizierte Überwachungskamera muss daher keineswegs zwingend unter einem Dach oder in einem anderweitig geschützten Bereich montiert werden.
Für die meisten Anwendungen einer Outdoor Kamera ist IP66 vollkommen ausreichend.
IP67 - staubdicht und Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
Auch eine Überwachungskamera mit IP67 ist durch die erste Ziffer 6 vollständig staubdicht.
Der Unterschied zu IP66 liegt nicht beim Staubschutz, sondern beim Wasserschutz.
Die zweite Ziffer 7 kennzeichnet den Schutz bei zeitweiligem Untertauchen unter definierten Bedingungen.
Nach IEC 60529 erfolgt die entsprechende IPX7 Prüfung unter definierten Bedingungen bei zeitweiligem Untertauchen in Wasser.
Üblicherweise wird dabei mit einer Prüfdauer von 30 Minuten und den in der Norm festgelegten Eintauchbedingungen gearbeitet.
Für welche Videoüberwachung eignet sich eine IP67 zertifizierte Überwachungskamera?
Eine IP67 zertifizierte Außenkamera eignet sich für besonders exponierte Installationen, bei denen neben Staub, Regen und Witterung mit einer außergewöhnlich hohen Wasserbelastung oder einem zeitweiligen Untertauchen gerechnet werden muss.
Das kann beispielsweise bei Videoüberwachung in besonders wassernahen Bereichen, bei Installationen mit erhöhtem Überflutungsrisiko oder unter speziellen industriellen Umgebungsbedingungen relevant sein.
Für eine Outdoor Kamera bietet IP67 damit einen zusätzlichen Schutz gegenüber IP66, wenn die tatsächlichen Bedingungen am Montageort über die übliche Belastung einer Außeninstallation hinausgehen.
IP68 - staubdicht und Schutz bei dauerhaftem Untertauchen
Auch bei IP68 bleibt der Staubschutz mit der ersten Ziffer 6 unverändert: Die Überwachungskamera ist staubdicht.
Die zweite Ziffer 8 steht für den weitergehenden Schutz gegen Wasser bei dauerhaftem Untertauchen unter festgelegten Bedingungen.
IP68 bedeutet allerdings nicht, dass jede entsprechend gekennzeichnete IP Kamera unbegrenzt und in beliebiger Tiefe unter Wasser betrieben werden kann.
Die konkreten Bedingungen hinsichtlich Wassertiefe und Prüfdauer werden für das jeweilige Produkt festgelegt. Deshalb müssen immer auch die technischen Angaben des Herstellers berücksichtigt werden.
Für welche Videoüberwachung eignet sich eine IP68 zertifizierte Überwachungskamera?
Eine IP68 zertifizierte Überwachungskamera ist für spezielle Einsatzbedingungen mit besonders hoher und dauerhafter Wasserbelastung vorgesehen.
Je nach Herstellerfreigabe kann diese Schutzart beispielsweise für bestimmte Industrie, Hafen, Tunnel oder wassernahe Installationen relevant sein.
Auch in extrem feuchten Umgebungen und Regionen mit starken Temperaturschwankungen können besonders widerstandsfähige Außenkameras erforderlich sein.
Neben der IP68 Schutzart kommt es hier auf die gesamte Konstruktion der Überwachungskamera an. Dichtungen, Gehäuse und Dome Kuppel müssen so ausgelegt sein, dass hohe Luftfeuchtigkeit und schnelle Temperaturwechsel nicht zu Kondensation oder Beschlag im Inneren führen.
Bei einer Außenkamera sollte IP68 deshalb nicht automatisch als die bessere Wahl betrachtet werden.
Entscheidend sind die tatsächlichen Umgebungsbedingungen und die technischen Freigaben des Herstellers.
Für eine normale Fassadenmontage oder die meisten Anwendungen einer Outdoor Kamera ist IP68 in der Regel nicht notwendig.
Hier ist eine entsprechend geeignete IP66 Überwachungskamera normalerweise vollkommen ausreichend.
IP68 Prüfung einer Hikvision Kamera im Headquarter in Hangzhou
Im Hikvision Headquarter in Hangzhou konnten wir vor Ort sehen, wie eine Dome Kamera unter extremen Bedingungen mit Wasser belastet wird.
Bei einem der Tests für die IP68 Zertifizierung wird die Hikvision Kamera im ersten Testschritt 30 Minuten lang aus nächster Nähe einem extrem starken Wasserstrahl ausgesetzt, bevor sie anschließend in Wasser eingetaucht wird.
Beide Prüfungen belasten das Kameragehäuse auf unterschiedliche Weise.
Ein starker Wasserstrahl trifft punktuell und mit hoher Strömungsgeschwindigkeit auf Gehäuse, Dichtungen, Verschraubungen und Übergänge. Dabei entstehen lokal hohe dynamische Belastungen an den direkt getroffenen Stellen.
Beim Untertauchen wirkt das Wasser dagegen als hydrostatischer Druck auf das gesamte Kameragehäuse.
Mit zunehmender Wassertiefe steigt dieser Druck. Dadurch werden insbesondere Dichtungen und Gehäuseverbindungen über einen längeren Zeitraum gleichmäßig belastet.
Genau deshalb ist ein starker Wasserstrahl technisch nicht mit dem Druck beim Untertauchen gleichzusetzen.
Eine Überwachungskamera kann gegenüber einer Belastungsart widerstandsfähig sein, ohne dass daraus automatisch die gleiche Widerstandsfähigkeit gegenüber der anderen folgt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Tests ist der Temperaturunterschied.
Das verwendete Wasser ist eiskalt, während im Testraum Temperaturen von über 30 Grad Celsius herrschen.
Damit werden auch extreme klimatische Bedingungen simuliert, wie sie beispielsweise in tropischen Regionen auftreten können.
Auf starken Regen bei hoher Luftfeuchtigkeit kann innerhalb kurzer Zeit intensive Sonneneinstrahlung folgen.
Für eine Überwachungskamera ist dieser schnelle Wechsel eine besondere Belastung.
Entscheidend ist nicht nur, dass kein Wasser in das Gehäuse eindringt. Auch die Dome Kuppel darf durch den Temperaturwechsel und die hohe Feuchtigkeit nicht von innen beschlagen oder Kondenswasser bilden.
Genau das wird bei der Prüfung ebenfalls kontrolliert.
Warum Kondensation bei Dome Kameras problematisch ist
Eine professionelle Überwachungskamera kann technisch weiterhin funktionieren und trotzdem für ihre eigentliche Aufgabe erheblich eingeschränkt sein.
Beschlägt beispielsweise die Kuppel einer Dome Kamera durch Kondensation, kann sich die Bildqualität deutlich verschlechtern.
Details werden schlechter erkennbar und die zuverlässige Erkennung oder Identifikation von Personen und relevanten Ereignissen kann beeinträchtigt werden.
Gerade bei einer professionellen Videoüberwachung reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich auf die IP Schutzklasse im Datenblatt zu schauen.
Die gesamte Konstruktion der IP Kamera muss den realen Umgebungsbedingungen dauerhaft standhalten.
IP Schutzart ist nicht das einzige Kriterium
Bei der Auswahl einer professionellen Überwachungskamera sollten neben IP66, IP67 oder IP68 weitere technische Eigenschaften berücksichtigt werden.
Dazu gehören insbesondere der zulässige Temperaturbereich, Korrosionsbeständigkeit, UV und Witterungsbeständigkeit sowie der mechanische Schutz des Gehäuses, beispielsweise durch eine entsprechende IK Klassifizierung.
Auch Montageposition und Umgebung sind entscheidend. Eine Überwachungskamera an einer normalen Gebäudefassade ist anderen Belastungen ausgesetzt als eine Überwachungskamera in einer Industrieanlage, einem Hafenbereich oder einer Umgebung mit hoher Staubbelastung, Feuchtigkeit oder außergewöhnlicher Wasserbelastung.
Die angegebene IP Schutzart setzt zudem eine fachgerechte Montage voraus. Kabeldurchführungen, Verschraubungen, Anschlussboxen und Dichtungen müssen entsprechend den Herstellervorgaben montiert und abgedichtet werden.
Fehler bei der Installation können den Schutz des Gesamtsystems beeinträchtigen.
Eine fachgerechte Planung der Videoüberwachung berücksichtigt deshalb nicht nur Auflösung, Brennweite und Bildqualität, sondern auch die mechanischen und klimatischen Anforderungen an jede einzelne IP Kamera.
German Protect Fazit: IP66, IP67 oder IP68?
IP66, IP67 und IP68 zeigen, wie gut eine Überwachungskamera gegen Staub und Wasser geschützt ist.
Alle drei Schutzarten sind staubdicht. Der entscheidende Unterschied liegt im Schutz gegen Wasser.
Für die meisten Außenkameras, auch Outdoor Kameras genannt, ist IP66 ausreichend. IP67 oder IP68 werden relevant, wenn besonders hohe Wasserbelastungen oder spezielle Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden müssen.
Unser Überwachungskamera- Test bei Hikvision in Hangzhou zeigt, dass neben der IP Schutzklasse auch die Konstruktion der Kamera entscheidend ist.
Dichtigkeit, Temperaturbeständigkeit und Schutz vor Kondensation müssen auf den jeweiligen Einsatzbereich abgestimmt sein.
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German Protect ist professioneller und zertifizierter Hikvision Partner in Deutschland.
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