Wie plant man eine Alarmanlage richtig für ein Haus?

Eine Alarmanlage wird richtig geplant, indem zuerst eine Objekt-Risikobewertung durchgeführt wird. Dabei werden alle potenziellen Einstiegspunkte wie Garten, Fenster, Türen und Dach bewertet. Nur so kann eine Alarmanlage einen Einbruch frühzeitig erkennen und effektiv verhindern.

 

 

Warum ist eine Sicherheitsrisikoanalyse zwingend erforderlich

Bevor eine Alarmanlage in ein Objekt eingebaut wird, muss eine sogenannte Sicherheitsrisikoanalyse durchgeführt werden.
Dabei wird geprüft, woher die Einbruchgefahr kommen kann. Das betrifft nicht nur den Innenbereich, sondern insbesondere auch den Außenbereich, also Grundstücksgrenzen, Zäune, Mauern und Zugänge.
Auch das Wohnumfeld rund um das Objekt ist ein entscheidender Faktor.
Es muss bewertet werden, welche weiteren potenziellen Risikofaktoren im direkten Umfeld vorhanden sind.

Dazu zählen beispielsweise angrenzende Diskotheken, Bars oder auch sozial schwächere Wohnviertel, die die Einbruchwahrscheinlichkeit zusätzlich erhöhen können.
Nur auf dieser Grundlage kann eine Alarmanlage richtig geplant werden, sowohl für den Innenbereich als auch für den Außenbereich, noch bevor der Täter das Haus erreicht.In diesem Beitrag zeigen wir Schritt für Schritt, wie eine solche Sicherheitsrisikoanalyse am Beispiel eines Reihenhauses durchgeführt wird und worauf es dabei ankommt, damit eine Alarmanlage später auch wirklich zuverlässig funktioniert.

Trügerische Sicherheit bei Reihenhäusern

Ein Reihenhaus in der Mitte, links und rechts Nachbarn. Viele denken, hier passiert nichts und eine Alarmanlage ist nicht zwingend notwendig.

Genau das ist der Fehler.

Reihenhäuser werden häufig unterschätzt.
Aus Sicht eines Einbrechers sind sie jedoch oft deutlich einfacher anzugreifen, als viele glauben.
Gerade weil viele dieser Häuser keine professionelle Alarmanlage besitzen, geraten sie verstärkt in den Fokus.

Objekt-Risikobewertung eines Reihenhaus-Beispielobjekts

Bei dem Objekt handelt es sich um ein klassisches Reihenhaus mit:

  • eineinhalb Stockwerken

  • mehreren Dachfenstern

  • einem Garten im hinteren Bereich

  • angrenzenden Häusern links und rechts

  • einem Balkon in etwa 2,50 Meter Höhe

  • einer großen Terrassenschiebetür

  • mehreren bodentiefen Fenstern

Auf den ersten Blick wirkt alles unspektakulär.
Genau hier liegt das Problem, denn ohne eine durchdachte Alarmanlage werden diese Schwachstellen oft nicht erkannt.

Unsere Objekt- Sicherheitsrisikoanalyse: Neuralgische Punkte

 

Zugang über angrenzende Strukturen

Der rückwärtige Gartenbereich ist zusätzlich zum Metallzaun mit einer Mauer versehen. Diese ist auf der Straßenseite an einen Metallzaun des benachbarten Kindergartens angebunden.

Über diesen Zaun kann man mit wenigen Handgriffen auf die Mauer klettern und in den Garten eindringen.


Ein weiterer Punkt ist die Mauer selbst. Viele denken, eine Mauer sei ein Hindernis. Das ist falsch.

Es gibt Mini-Teleskopleitern aus Aluminium, die man eingefahren unter dem Arm tragen kann. Diese lassen sich auf etwa 2,50 Meter ausziehen.

Damit kann eine zwei Meter hohe Mauer problemlos überwunden werden. Einbrecher haben solche Hilfsmittel dabei.

Hat sich der Einbrecher Zugang zum Garten verschafft, gelangt er ohne großen Aufwand auf die Terrasse. Diese ist durch einen Terrassenanbau geschützt, sodass er dort in der Nacht ungestört agieren kann.

Besonders kritisch ist die große Glasschiebetür. Das ist ein klassischer Einstiegspunkt, wenn keine Alarmanlage im Außenbereich vorhanden ist.

Dieser Gerten- und Terassen-Bereich ist für das Objekt ein hoher Risikofaktor.

 

Unsere Lösung

Aus sicherheitstechnischer Sicht wird dieser Bereich wie folgt abgesichert:

  • ein Bewegungsmelder mit Fotoverifizierung im Garten für die Alarmverifizierung als Teil der Alarmanlage

  • ein Fassadenmelder mit Fotoverifizierung direkt im Bereich der Terrasse

  • ein Fenster- und Türen-Magnetkontakt mit Kippfunktion an der Terrassentür im Innenbereich

Ziel ist, den Täter zu erkennen, bevor er in das Objekt eindringt und die Alarmanlage auszulösen.



Balkon

Der Balkon im hinteren Bereich ist über den Metallzaun sehr leicht erreichbar.

Dort befindet sich das Hauptschlafzimmer.

Das bedeutet: Steigt der Täter hier ein, steht er nachts direkt vor dem Bett.

 

Unsere Lösung

  • Außenbewegungsmelder mit Fotoverifizierung als Bestandteil der Alarmanlage im Außenbereich

  • Fenster und Türen Öffnung- und Kippkontakte an der Balkontür

Die Alarmanlage wird ausgelöst, bevor der Täter die Tür angreifen kann.



Fensterzugänge

Ein besonders kritischer Punkt ist ein bodentiefes Fenster direkt neben der Eingangstür. Dieses Fenster ist zweigeteilt. Unten ein festes Element, oben ein normales Fenster. Gerade der untere Bereich ist problematisch. Mit einer Folie kann das Glas eingedrückt werden, nahezu geräuschlos. Die Sicherheitstür bringt in diesem Fall nichts, wenn der Einstieg direkt daneben erfolgt.

Auch Nachbarn helfen hier nicht. Nachts hört das niemand.

Zusätzlich ist dieses Fenster mit einer Metalljalousie, einer Lamellenjalousie, versehen. Allerdings ist diese Jalousie funkgesteuert. Günstige Systeme, die nicht direkt vom Hersteller stammen und häufig nachträglich als Funklösung ergänzt werden, sind oft nicht verschlüsselt. Einbrecher können die Funksignale scannen, duplizieren und die Jalousie ganz einfach öffnen. Viele Einbrecher haben einen solchen Scanner mittlerweile standardmäßig dabei.

Damit wird der Einstieg noch einfacher, wenn keine geeignete Alarmanlage vorhanden ist.

Wir raten daher davon ab, solche Funksysteme für Jalousien ohne ausreichende Kenntnisse aus dem Internet zu kaufen.

Dabei ist besonders wichtig zu beachten, dass nicht nur entscheidend ist, ob ein Funksystem verschlüsselt ist, sondern auch, mit welcher Art von Funkverschlüsselung gearbeitet wird.

Dieser Bereich ist ein stark neuralgischer Punkt.

Unsere Lösung

  • Fensteröffnungs- und Kippkontakt am oberen Fenster im Innenbereich

  • Glasbruchmelder im unteren Bereich im Innenbereich

  • außen ein Vorhang-Bewegungsmelder zwischen Jalousie und Fenster

Sobald die Jalousie bewegt wird, wird die Alarmanlage ausgelöst, bevor das Fenster angegriffen wird.



Dachzugänge und Dachfenster

Das Haus hat auf beiden Seiten jeweils zwei Dachfenster.

Da Reihenhäuser verbunden sind, kann ein Täter über mehrere Häuser hinweg über die Dächer laufen.

Er kann beispielsweise in ein anderes Haus einsteigen und sich dann über die Dächer weiterbewegen.

Dachfenster sind ein häufig unterschätzter Einstiegspunkt, insbesondere wenn keine Alarmanlage installiert ist.

Viele Hausbesitzer sichern diese nicht ab. Einbrecher wissen das.

 

Unsere Lösung

Alle vier Dachfenster sind in die Alarmanlage integriert und mit Öffnungs und Kippkontakten abgesichert.

Zusätzlich gibt es einen weiteren Vorteil.

Wenn ein Dachfenster offen ist, wird das beim Scharfschalten der Alarmanlage erkannt.

Gerade bei Regen kann das große Schäden verhindern.



German Protect Fazit

Wie man anhand dieser Sicherheitsrisikoanalyse gesehen hat, werden Reihenhäuser oft unterschätzt.

Viele Hausbesitzer denken, durch die Nachbarschaft sei das Risiko gering und eine Alarmanlage nicht notwendig. Diese Meinung ist veraltet. Einbrecher wissen, dass Reihenhäuser oft nicht ausreichend mit einer Alarmanlage gesichert sind. Deshalb werden sie gezielt ausgewählt. Was für einen Laien sicher wirkt, zeigt sich bei genauer Analyse als risikobehaftet. Ein Laie kann diese Risikofaktoren in der Regel nicht erkennen.

Deshalb ist eine Risikoanalyse vor der Installation einer Alarmanlage zwingend erforderlich.

Nur so kann sichergestellt werden, dass die Alarmanlage nicht nur alarmiert, sondern tatsächlich schützt.

Ohne diese Planung bleibt die Alarmanlage eine Sicherheitsillusion.

German Protect empfiehlt daher, vor der Installation immer eine Risikoanalyse durchzuführen und die Alarmanlage professionell zu planen.

Wir unterstützen dabei, das Objekt zu analysieren, die Alarmanlage optimal zu planen und fachgerecht umzusetzen.

 


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Bogdan Tamasan

Bogdan Tamasan

Herr Bogdan Tamasan ist seit 1994 in der Sicherheitsbranche tätig und seit 2011 geschäftsführender Gesellschafter der ESA GmbH German Protect mit über 27-jähriger Erfahrung im Bereich Sicherheitstechnik, Schutz, Prävention, Planung und Projektentwicklung. In seiner Tätigkeit als Sicherheitsberater für verschiedene Konzerne und Institutionen europaweit, konnte sich Herr Tamasan in dieser langen Zeitspanne eine fundierte und praxisnahe Erfahrung und Wissen aneignen, welches von Jahr zu Jahr durch verschiedene System- und Partnerzertifizierungen vertieft wurde. Ein kleiner Auszug seiner Zertifizierungen: Axis Solutions Partner, IHK zertifizierte Fachkraft für Video-Sicherheitstechnik, Hikvision Sub-Distributor, Vivotek Expert, Hanwha Security Engineering, Mobotix Advanced Partner, Avigilon Partner, Sony Video Security Gold Partner, Flir Partner, Eneo System Integrator, Bosch Partner, Seetec Professional, Milestone Partner, Wave Professional, Aimetis Certifed, zertifizierter Telenot Facherrichter und Stützpunkt, Planung und Einbau von Einbruchmeldeanlagen nach VdS 2311 und VDE 0833, Q-Geprüfte Fachkraft für Rauchmelder gemäß DIN 14676, Videofied zertifizierter Partner, Risco Certified, Jablotron zertifizierter Partner, Ajax zertifizierter Partner, rayTec Professional SimonsVoss Partner usw.

 


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